„Trotz Trump, Erdogan, Kim Jong-un und Brexit bleiben die Märkte stabil“

Braunschweig, der 15.09.2017

·    DZ Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier zeichnet eine stabile Lage der Weltwirtschaft
·    Europäische Wirtschafts- und Währungsunion von der jüngeren Euro-Stärke weitestgehend unbeeinflusst
·    Trotz hoher Kaufpreise bleibt der Immobilienkauf in Deutschland attraktiv

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, geht davon aus, dass auf absehbare Zeit die Nachfrage nach Aktien unverändert stark bleiben wird. „Obwohl das Wachstum in den meisten Regionen der Welt sehr robust verläuft, ist die Inflation nicht sonderlich hoch. Dies gibt den Notenbanken Spielräume. Sie haben keine Eile, ihre extreme geldpolitische Ausrichtung zu ändern. Somit bleiben Zinsen und Renditen auf absehbare Zeit weiterhin auf historisch niedrigen Werten. Von diesem Umfeld können Aktienmärkte weiterhin profitieren“, sagte Bielmeier heute während einer Fachtagung der Braunschweiger Privatbank vor geladenen Gästen.

„Wenige Tage vor der Bundestagswahl möchten wir unseren Gästen einen komprimierten Überblick zu Konjunktur- und Finanzmarktthemen bieten und daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Ich freue mich, dass wir dafür unseren global vernetzen Chefvolkswirt gewonnen haben“, sagte Stefan Riecher, Direktor der Braunschweiger Privatbank, zur Begrüßung. Der Vortrag hatte den Titel „Stabile wirtschaftliche Entwicklung trotz politischer Unsicherheiten“. Im Anschluss fand eine lebhafte Frage- und Diskussionsrunde statt.

Bielmeier beleuchtete während seines Impulsreferats die aktuellen Trends auf den Kapital- und Immobilienmärkten. Zwar würden die geopolitischen Herausforderungen beständig zunehmen und die Unwägbarkeiten steigen, doch das wirtschaftliche Umfeld sei von Trump, Erdogan, Kim Jong-un, Brexit und Co. bislang kaum beeindruckt. „Die Unternehmens- und Konsumentenstimmung bewege sich weitestgehend auf einem sehr hohen Niveau“, kommentierte der Chefvolkswirt der DZ BANK. Als Beispiel führte er unter anderem den „recht soliden“ Aufschwung am US-Arbeitsmarkt an.

Die Aufwertung des Euro in den vergangenen Monaten gegenüber dem US-Dollar um zwölf Prozent seit Jahresanfang, sei zwar nicht unproblematisch, falle aber im breiteren Spektrum der handelsgewichteten Betrachtung deutlich niedriger aus, was den potentiellen Schaden für die Wirtschaft relativiere; meinte er. Anfang 2017 sei marktseitig noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent ausgegangen worden, zurzeit läge die Prognose jedoch immerhin bei 2,0 Prozent. Bislang zeige sich die Konjunktur in der Europäische Wirtschafts- und Währungsunion von der jüngeren Euro-Stärke weitestgehend unbeeinflusst. Signalwirkung für die weitere Amtszeit von Präsident Macron sieht der Experte in der anstehenden Arbeitsmarktreform in Frankreich. Nur eine deutsch-französische Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermögliche es, den strukturellen und institutionellen Konstruktionsschwächen der Eurozone zu begegnen, so Stefan Bielmeier.

Die deutsche Wirtschaft zeige sich von allen Widrigkeiten gänzlich unbeeindruckt. „Die wirtschaftliche Entwicklung ist stabil, die Staatseinnahmen hoch und die Zahl der Arbeitslosen auf niedrigem Niveau“, sagte er. Von den guten wirtschaftlichen Voraussetzungen in Deutschland, steigender Beschäftigung und niedrigen Zinsen profitiere auch der Immobilienmarkt. Trotz hoher Kaufpreise bleibe der Immobilienkauf attraktiv. Bundesweit hätten die Preise für Häuser und Wohnungen seit 2010 um etwas mehr als 30 Prozent zugelegt. In den deutschen Städten sei es sogar fast doppelt so hoch aufwärtsgegangen.