„Wir haben uns weiteres Wachstum verordnet“

Die Fusion der Volksbank Peine und der Volksbank BraWo ist eines der größten wirtschaftlichen Ereignisse der Region in diesem Jahr: Wenn die Verschmelzung im September auch technisch abgeschlossen ist, steht den Kunden und Mitgliedern die größte unabhängige Filialbank der Fusion zur Verfügung – mit 48 Geschäftsstellen und der gewohnt hohen Beratungskompetenz sowie den Produkten der gesamten genossenschaftlichen Bankenwelt von Versicherungen bis zum Private Banking. Im Interview sprechen die fünf Vorstände der neuen Volksbank BraWo, Vorstandsvorsitzender Jürgen Brinkmann, Michael F. Müller, Mark Uhde, Gerhard Brunke und Ralf Schierenböken, über Herausforderungen und Ziele der Fusion.

Die Vorstände der neuen Volksbank BraWo (von links): Mark Uhde, Ralf Schierenböken, Vorstandsvorsitzender Jürgen Brinkmann, Gerhard Brunke und Michael F. Müller.

Die jeweiligen Vertreterversammlungen der beiden Banken haben der Fusion einstimmig zugestimmt. Hätten Sie das so erwartet?

Jürgen Brinkmann: Wir sind von dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen, jedes kerngesund und fit für die Zukunft, tief überzeugt. Diese Haltung haben wir stets vertreten und auch die vielen Vorteile aufgezählt, die eine Verschmelzung hat. Insofern kam das einhellige ‚Ja‘ nicht völlig überraschend für uns. Wir danken den Vertretern der Mitglieder unserer Banken für das Vertrauen und freuen uns, diesen Kurs zum Wohle aller Beteiligten jetzt fortführen zu können.

Gerhard Brunke: Die Zustimmung der Vertreterversammlungen kommt der gesamten Region zugute – den privaten und gewerblichen Kunden, den Mitarbeitern, aber auch den Kommunen und Institutionen durch unser soziales Engagement, das wir nun noch stärker betreiben.

Stichwort soziales Engagement: United Kids Foundations und die Volksbank BraWo Stiftung, im vergangenen Jahr zehn Jahre jung geworden, setzen gerade eine Reihe neuer Projekte um, die durch die vielen tollen Spenden anlässlich der Aktion „1000 x 1000“ realisiert werden können – im gesamten neuen Geschäftsgebiet?

Michael F. Müller: Absolut. Stadt und Kreis Peine werden nun ebenfalls von unseren vielen Projekten für Kinder und Jugendliche profitieren. Die Arbeit hat bereits begonnen und reicht von Prävention bis zur unbürokratischen Einzelfallhilfe. Beispielsweise bringen wir mit unserem Partner AOK das Projekt ‚JolinchenKids‘ auch in Peiner Kindergärten – die Jungs und Mädchen lernen spielerisch von klein auf, wie wichtig gesunde Ernährung und viel Bewegung sind. Unser Kooperationspartner Franz Beckenbauer Stiftung, spezialisiert auf Hilfe in Einzelfällen, sieht sich nun auch in der Region Peine um, um dort Menschen zu helfen, die Not leiden müssen. Kurz: Unser umfangreiches Netzwerk erstreckt sich in unserem gesamten Geschäftsgebiet. Wir werden im Peiner Land künftig mit mehr als 100.000 Euro im Jahr unterstützen.

Die bisherige Volksbank BraWo hat mehr als 630 Mitarbeiter und 36 Geschäftsstellen. Auch die Volksbank Peine ist mit 122 Mitarbeitern und 12 Filialen nicht gerade klein. Wir bringt man zwei solche Unternehmen technisch zusammen? Vor allem mit einem so eng gestrickten Zeitplan.

Mark Uhde: Am 24. September, einem Samstag, soll der ‚Schalter umgelegt‘ werden. Dann wird die technische Fusion erfolgen. Das ist nicht mehr viel Zeit. Aber wir haben uns sehr gründlich vorbereitet: In einer sehr frühen Phase der Planungen haben sich Teams aus Experten beider Häuser gebildet, den Ist-Stand abgebildet und Checklisten sowie Ablaufpläne erstellt. Nahezu jeder Mitarbeiter in den Unternehmen war beteiligt, weil ja im Grunde jeder Bereich betroffen ist – vom Abgleich der Kontonummern bis zur künftigen Besetzung der Büros am Verwaltungssitz im Braunschweiger BraWoPark. Dabei fielen natürlich wesentliche Aufgaben dem Bereich IT zu. Dazu haben wir uns die Unterstützung der Fiducia & GAD IT AG gesichert, dem ITDienstleister der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die Testläufe waren erfolgreich – unsere Kunden werden von der Zusammenlegung nichts mitbekommen. Lediglich am 24. September selbst werden die Automaten in den Geschäftsstellen wegen des Neustarts der Systeme kurze Zeit nicht zur Verfügung stehen.

Sie haben die Geschäftsstellen angesprochen. Müssen die Kunden sich auf Änderungen einstellen, womöglich auf Schließungen?

Ralf Schierenböken: Wir haben das von Anfang an klar gesagt: Hier klammern sich keine müden Schwimmer aneinander, sondern hier werfen zwei starke Unternehmen ihr Potenzial in einen gemeinsamen Topf. Deswegen standen Einsparungen auf Kosten von Arbeitsplätzen nie zur Diskussion: Die neue Volksbank BraWo wird mehr als 750 Mitarbeiter beschäftigen und alle dann 48 Geschäftsstellen unverändert weiter betreiben. Wir haben als Volksbank gesellschaftliche Aufträge. Dazu gehört, ein zuverlässiger, guter Arbeitgeber zu sein. Dazu gehört aber auch, für die Menschen in der Region da zu sein – und das geht nur mit einem flächendeckenden Filialnetz, an dem wir unverändert festhalten.

Wird denn die Zahl der Arbeitsplätze perspektivisch noch größer?

Jürgen Brinkmann: Die Fusion gibt uns ganz neue Möglichkeiten für innovative Konzepte. Die Volksbank BraWo ist ja längst viel mehr als ein klassisches Bankhaus: Wir sind mit unserem Makler ‚Döhler Hosse Stelzer‘ der größte unabhängige Anbieter von Versicherungen der Region. Wir haben mit dem BraWoPark in Braunschweig stadtbildende Projektentwicklung betrieben – in Wolfsburg haben wir vor, den Standort Porschestraße Nord ebenfalls stark zu beleben. Unsere Volksbank BraWo Immobilien GmbH ist bereits in Peine sehr aktiv und ist stark gefragt. Hinzu kommt eine Vielzahl weiterer erfolgreicher Standbeine, die von der Vermietung von Gewerbeobjekten bis zum Private Banking für vermögende Kunden reichen. Diese Diversifizierung macht die Unternehmensgruppe stark für die Zukunft. Wir haben uns weiteres solides Wachstum verordnet. Und das geht nur mit guten Mitarbeitern. Insofern steigt der Bedarf, auch wenn wir durch den Zusammenschluss einige Synergien nutzen konnten. Aber Sie erkennen daran, dass wir in diesem Jahr erstmals 30 neue Auszubildende auf einen Schlag im Unternehmen begrüßen konnten, dass wir weiter wachsen werden – auch personell.

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