Weltwirtschaft, Börsenkurse, Zinsen, Immobilien – Wie geht es weiter?

Welche Auswirkungen hat die politische Situation auf die Weltwirtschaft? Erstaunlich wenig. Die Wirtschaft ist stabil, die Aktienkurse steigen und die Zinsen bleiben niedrig. Warum das derzeit so ist und welche Entwicklungen er prognostiziert, erklärte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ-Bank, bei einem Vortrag auf Einladung der Braunschweiger Privatbank im Braunschweiger IntercityHotel.

Stefan Bielmeier spricht über die wirtschaftliche Lage in Deutschland, Europa und der ganzen Welt.

„Robustes Wachstum und stabile Finanzmärkte trotzen der politischen Unsicherheit" lautete der Titel von Bielmeiers Vortrag. Hierbei legte er anschaulich dar, wie sehr sich die Entwicklung der Weltwirtschaft von der politischen Situation abgekoppelt hat: „Weltweit gab es noch nie gleichzeitig ein so schwieriges politisches Umfeld und ein so stabiles Wachstum“, stellte Bielmeier fest. Das müsse nicht auf Dauer so bleiben, zurzeit sehe er aber keine Anzeichen, dass sich daran in den nächsten Jahren etwas ändern wird. Folgende Kernaussagen und Prognosen hat er getätigt:

  • Zwar nehmen die geopolitischen Herausforderungen und die Unwägbarkeiten stetig zu, doch das wirtschaftliche Umfeld ist von Trump, Erdogan, Kim, Jong-un und dem Brexit bislang kaum beeindruckt. Die Unternehmens- und Konsumentenstimmung bewegt sich in großen Teilen der Welt auf einem sehr hohen Niveau.
  • Treiber der Weltwirtschaft ist nach wie vor der asiatische Raum, vor allem China. Große Teile der weltweiten Produktion wurden nach Asien verlagert. Damit wurde eine starke Basis geschaffen, auf der die positive wirtschaftliche Entwicklung fußt.
  • Obwohl das Wachstum in den meisten Regionen der Welt sehr robust verläuft, ist die Inflation gering. Dies gibt den Notenbanken Spielräume. Sie haben keine Eile, ihre extreme geldpolitische Ausrichtung zu ändern. Somit bleiben Zinsen und Renditen auf absehbare Zeit weiterhin auf historisch niedrigem Niveau. Von diesem Umfeld können Aktienmärkte weiterhin profitieren.
  • Die Börsen haben sich stark von der Politik abgekoppelt und an politische Schreckensmeldungen gewöhnt. Beispiel Nordkorea: Bei den ersten Meldungen über Atomwaffen- und Raketentests fielen die Aktienkurse noch um ein paar Prozent, mittlerweile sind bei neuen Tests keine Ausschläge mehr zu beobachten. Niemand rechnet ernsthaft mit einem Krieg, weil Nordkorea, China und Russland großes Interesse daran haben, den Status Quo beizubehalten.
  • Die Nachfrage nach Aktien wird auf absehbare Zeit unverändert stark bleiben. Ohne einen großen Anteil an Aktien im Portfolio sind zurzeit keine höheren Renditen möglich. Ein Kurseinbruch beim DAX ist nicht zu erwarten, ein moderater Anstieg hingegen schon. Eine Blase an den Börsen besteht nicht.
  • Gold ist und bleibt eine Krisenwährung, die ein guter Baustein im Portfolio sein kann. Wenn sich die die politische Weltlage stabilisiert, kann der Goldpreis zwar wieder etwas sinken, aber in Anbetracht der vielen Krisenherde in der Welt ist es unwahrscheinlich, dass der Preis plötzlich stark absackt.
  • Die Wirtschaft in Europa wächst zurzeit nicht nur im Vorzeigeland Deutschland, sondern auch in den wirtschaftlich schwächeren Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich. Die Aufwertung des EURO gegenüber dem US-Dollar um zwölf Prozent seit Jahresanfang ist zwar nicht unproblematisch, doch bislang zeigt sich die Konjunktur in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion von der jüngeren EURO-Stärke weitestgehend unbeeinflusst.
  • Den Brexit wird die EU wirtschaftlich deutlich besser verkraften als Großbritannien selbst.
  • Zwar beruht das Wachstum weltweit zum Teil auf Staatsverschuldung, so dass es nicht wirklich nachhaltig ist. Aber so lange die Wirtschaft wächst, stellt das kein großes Problem dar. Auch die Staaten profitieren von den geringen Zinsen, weil neue Kredite dadurch günstiger sind und die Staatsschulden langsamer steigen.
  • Angesichts der großen Bevölkerungszahl könnte sich in Afrika für die ganze Welt ein großer neuer Markt auftun, doch auf absehbare Zeit wird das nicht passieren. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche und des starken Ungleichgewichtes bei der Vermögensverteilung verfügen die meisten Menschen dort nicht über ein ausreichendes Einkommen. Zudem mangelt es vielerorts an einer soliden Infrastruktur.
  • Global betrachtet ist die Arbeitslosigkeit nur gering und das Wachstum stabil. Der gängigen Volkswirtschaftstheorie zufolge müssten die Löhne in solchen Phasen eigentlich steigen. Das tun sie aber nicht. Eine mögliche Erklärung der Ökonomen ist hierbei die zunehmende Digitalisierung. Sie drückt die Löhne und die Inflation, stützt aber das Wachstum.
  • Am deutschen Immobilienmarkt sieht Bielmeier keine Blase. Der größte Preistreiber sei die Tatsache, dass es zu wenig Bauland gibt. Die große Nachfrage treibt die Preise nach oben, vor allem in den Großstädten. In den sieben größten deutschen Städten beträgt der Preis einer Immobilie mittlerweile das 30fache der Jahresmiete, in den anderen Großstädten das 25- bis 28fache. Dieser Wert ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Für deutsche Verhältnisse ist das teuer, im internationalen Vergleich aber nicht.  

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