Quo vadis Weltwirtschaft 2019?

Die letzten Jahre schien es, als hätte sich die Weltwirtschaft weitgehend von der Politik abgekoppelt. Aller politischen Krisen zum Trotz erreichten die wichtigsten Börsenindizes immer neue Höchststände. Doch 2018 haben sich die Rahmenbedingungen geändert, was vor allem an neuen politischen Unwägbarkeiten und der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump liegt. Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ-Bank, gab auf Einladung der Braunschweiger Privatbank bei einem Vortrag im Ritz Carlton in Wolfsburg einen Ausblick, was das für die wirtschaftliche Entwicklung im neuen Jahr bedeutet. Seine Prognose: Der Himmel der Weltwirtschaft bewölkt sich.  

Stefan Bielmeiers gibt Prognosen zur Entwicklung der Weltwirtschaft

Geopolitische Situation wird zunehmend komplexer

Die Zahl der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krisen auf der Welt nimmt stetig zu: der anstehende Brexit, die hohe Inflation in der Türkei, die Schuldenpolitik Italiens, der Rechtsruck in Brasilien, die Uneinigkeit der EU-Mitglieder und die America-First-Strategie der Trump-Administration sind nur einige Beispiele.

In seinem Vortrag schaute Bielmeier aus einer internationalen Perspektive auf diese Entwicklungen und gab seine Einschätzungen, was dies für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte in Deutschland und in der Welt bedeutet.

Stefan Bielmeier über…

…die wirtschaftliche Lage Deutschlands

  • Auf den ersten Blick geht es Deutschland gut. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hoch. Doch weil der Staat in den letzten Jahren nur unzureichend in Bildung und Infrastruktur investiert hat, setzen Verschleißerscheinungen ein.
  • Da Deutschland nach wie vor stark von der Autoindustrie abhängig ist, dämpfen die Probleme der Autokonzerne im Zuge des Dieselskandals die wirtschaftliche Entwicklung.
  • Wenn die Babyboomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, verstärkt das den ohnehin bestehenden Fachkräftemangel und bremst das Wirtschaftswachstum.
  • Am Immobilienmarkt wird am Bedarf vorbeigebaut. Es fehlen Wohnungen im mittleren und niedrigen Preissegment. Hemmschuh sind hier der Flächenmangel, fehlende Fachkräfte und ein Genehmigungsstau.
  • Als Exportnation ist Deutschland einer der Leittragenden, wenn die USA und andere Handelspartner die Zölle anheben.

…die Lage am Finanzmarkt

  • Am Aktienmarkt hat der Anfang vom Ende begonnen. Neue Höchststände der Indizes sind vor allem in Deutschland und Europa gegenwärtig nicht in Sicht.
  • Die Zinsen bleiben niedrig, doch insbesondere vom DAX sind so schnell keine neuen Höchststände zu erwarten, da die Unternehmensgewinne hierzulande in diesem Jahr nicht gestiegen sind und viele Firmen aus dem DAX zurzeit spezifische Problem haben (z.B. die Automobilindustrie durch den Dieselskandal oder Bayer infolge der Monsanto-Übernahme).
  • Ab Januar stoppt die EZB die Zukäufe von Anleihen, fällige Anleihen werden aber weiterhin ersetzt. Somit bleibt die Bilanzsumme der EZB ab Januar konstant und steigt nicht mehr, wodurch ein Kurstreiber wegfällt.
  • Die Chance auf Gewinne an der Börse ergibt sich im Jahr 2019 voraussichtlich weniger durch Kursgewinne als durch die Dividendenausschüttungen von Unternehmen, die ein erfolgreiches und nachhaltiges Geschäftsmodell haben.

…Europa und den EURO

  • Viele Nationalstaaten kämpfen nur für sich, ohne Rücksicht auf Europa. Dadurch wird es schwieriger, gemeinsame Lösungen zu finden. Diese Uneinigkeit schwächt Europas Position auf der Weltbühne.
  • Die Lieferketten sind in der globalisierten Welt weit verzweigt. Der Brexit und steigende Zölle behindern das gegenwärtige funktionierende System. Das stellt eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region Braunschweig, in Deutschland, Europa und der ganzen Welt dar, weil die Höhe des Handels und das weltweite Wirtschaftswachstum eng zusammenhängen.
  • Die Wirtschaft in Europa wächst in den nächsten Jahren weiter, allerdings nur noch langsam. Die Zinsen im EURO-Raum bleiben auf niedrigem Niveau.
  • Die von der Koalition in Italien geplante ausufernde Schuldenpolitik ist eine Gefahr für den EURO, weil es den Stabilitätspakt untergräbt. Sollte Italien trotzdem aus dem EURO austreten, würde Europa zwar in eine Rezession fallen, aber die wäre für Europa mittelfristig zu verkraften.
  • Ein Austritt aus dem EURO müsste nicht automatisch das Aus für die Währung bedeuten. Abgesehen davon wäre dies vor allem für Italien unvorteilhaft, weil das Land für seine Kredite dann viel höhere Zinsen zahlen müsste und der italienische Haushalt nicht mehr zu finanzieren wäre.

…die wirtschaftliche Lage in den USA

  • Man mag von Donald Trump halten, was man will, aber in der Wirtschaftspolitik verfolgt er einen klaren Plan. Indem er die Steuern für die in den USA angesiedelten Unternehmen massiv senkt und gleichzeitig für Importe die Zölle erhöht, wird es für viele Unternehmen lukrativ, ihre Produktion dorthin zu verlagern.
  • Mit Präsident Donald Trump hat ein globaler Steuerwettbewerb begonnen, in dem Deutschland gegenwärtig ins Hintertreffen gerät.
  • Der Leitindex Dow Jones ist in diesem Jahr deutlich gestiegen, vor allem wegen der massiven Steuerentlastungen für die Unternehmen.
  • Trumps schuldenfinanzierte Wirtschaftspolitik kurbelt das Wachstum in den USA kräftig an, die Arbeitslosenquote ist mit 3,8 Prozent so niedrig wie nie zuvor.
  • Die US-Notenbank (FED) hat die Zinsen in diesem Jahr auf über 2 Prozent angehoben. Weitere Zinssteigerungen sind zu erwarten.

Bielmeiers Fazit

Der Anfang vom Ende der fetten Jahre scheint gekommen zu sein. Einige Indikatoren deuten sogar auf eine Rezession hin. Es wird insgesamt ruppiger und weniger planbar. Innovationen wie 3D-Drucker könnten jedoch für neue Produktivitätssprünge sorgen. Anleger sollten in Zeiten geringerer Renditen und größerer Volatilität an den Aktienmärkten jedenfalls nicht in Hektik verfallen, zumal es Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern nach wie vor sehr gut geht. Das liegt aber vor allem an den vielen fähigen und mutigen Unternehmern hierzulande. Die Aufgabe der Politik muss es daher sein, entsprechende Strukturen und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dies auch so bleibt.

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