Grüne Investments: Entscheidungsfaktor Nachhaltigkeit

Lange Zeit hieß es, dass sich grüne Investitionen und Gewinne gegenseitig ausschließen. Warum dieses Vorurteil längst überholt ist, erklärt Ingo Speich, Experte und Fondsmanager bei der Union Investment im Interview mit BraWo aktuell. Er verdeutlicht, weshalb Nachhaltigkeit und Rendite kein Widerspruch sind, wie sich potenzielle Portfoliobedrohungen erkennen lassen und von welchen Anlegern grüne Investitonen am stärksten nachgefragt werden.

Finanzexperte Ingo Speich empfiehlt nachhaltige Investitionen

Herr Speich, nachhaltiges Investieren ist im Mainstream angekommen. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel. Zunehmend mehr Menschen wollen Einfluss darauf nehmen, was sie mit ihren Investments bewirken. Investoren haben ebenfalls erkannt, dass nachhaltiges Investment eine konkurrenzfähige Wertentwicklung und im Vergleich zu herkömmlichen Investments ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis bietet.  

Mit nachhaltigen Investments hat sich also ein neues Chancenfeld für Anleger aus allen Bereichen aufgetan?

Auf jeden Fall. Das wird besonders deutlich, wenn wir die quantitative und qualitative Entwicklung betrachten. Inzwischen erkennen auch vermehrt große institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen die stabilisierende und optimierende Funktion nachhaltiger Investments für das Portfolio. Bei ihnen geht es häufig darum, die komplette Investitionsstrategie umzustellen.  

Die Nachfrage steigt demnach also weiterhin?

Die Marktentwicklung in diesem Segment ist nach wie vor außerordentlich. Unsere nachhaltigen Anlagen sind in der letzten Dekade jedes Jahr deutlich zweistellig gewachsen. Im letzten Jahr betrug das Wachstum mehr als 30 Prozent. 

Die Union Investment überprüft regelmäßig den Fondsbestand und veröffentlicht die Ergebnisse. Wie prüfen Sie und mit welchen Konsequenzen?

Unser oberstes Gebot lautet, alle Ausschlusskriterien zu beachten. Im Investmentprozess verbinden wir Fundamentalanalyse und Nachhaltigkeitsresearch. Beim täglichen Monitoring scannen wir bis zu 200 Kriterien. Stellen wir fest, dass Unternehmen nicht mehr unseren Mindestanforderungen bei ESG-Kriterien (ESG: Environmental, Social, Governance; Anm. d Red.) entsprechen, dann de-investieren wir.  

Können Sie Unternehmensentscheidungen im Vorfeld bereits so beeinflussen, damit es zu keinen Negativentwicklungen kommt?

Wir sind regelmäßig im direkten Austausch mit Unternehmensvertretern wie dem Finanzvorstand, dem Vorstandsvorsitzenden oder dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Kritische Themen, die sich aus unserer ESG-Analyse ergeben, sprechen wir dabei proaktiv und frühzeitig an. Auch Redebeiträge auf Hauptversammlungen sind ein probates Mittel, um kritische Themen zu adressieren. Damit erreicht man den gesamten Vorstand und Aufsichtsrat. Ich selbst bin beispielsweise jedes Jahr auf bis zu 15 Hauptversammlungen mit einem Redebeitrag vertreten.  

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was erwartet uns?

Nachhaltige Investments werden heute vor allem von zwei Kundengruppen nachgefragt: jüngeren Anlegern und sehr vermögenden Anlegern. Dieser Trend wird sich in Zukunft weiter verstärken und in der Breite ankommen, Nachhaltigkeit wird alle Bereiche unseres Lebens berühren. Wir müssen uns also darauf einstellen, dass neue Nachhaltigkeitsthemen kommen werden und dass wir auf die immer dringender werdenden Fragen nach umwelt- wie ressourcenschonenden Arbeits- und Lebensweisen Antworten finden müssen. Unternehmen und Privatpersonen stehen gleichermaßen vor neuen Herausforderungen.

Nachhaltige Investments – das rät der Experte:

  • Wählen Sie Investments mit einem Rendite-Risiko-Profil, das zu Ihnen passt.
  • Beziehen Sie ESG-Parameter (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) in Ihre Anlageentscheidung ein, bei größeren ESG-Verstößen sollten Sie de-investieren.
  • Nachhaltigkeit muss sich auszahlen – behalten Sie deshalb neben den ESG-Parametern auch stets die ökonomischen Aspekte des Unternehmens im Blick.

Zur Person
Als Senior Portfoliomanager und Leiter „Nachhaltigkeit und Engagement“ ist Ingo Speich bei der Union Investment für nachhaltige Investments sowie die Themen Corporate Governance und aktives Aktionärstum zuständig.

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