„Nicht auf das sehen, was nicht geht, sondern auf das, was möglich ist.“

Die eigenen Grenzen zu kennen und sie mit einer Portion Humor überwinden ist das Motto des Referenten, Dozenten, Pfarrers und mehrfachen Paralympics-Sieger Rainer Schmidt, der ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel geboren wurde. BraWo aktuell sprach mit dem Multitalent im Interview über Motivation, Erfolg und Misserfolg.

Entscheiderinnenabend Rainer Schmidt Claudia KayserRainer Schmidt war Referent beim 10. Entscheiderinnenabend im phaeno in Wolfsburg.

  • Herr Schmidt, Sie sind mehrfacher Paralympics-Medaillengewinner, waren als Pfarrer aktiv und sind derzeit freiberuflich als Kabarettist und Referent tätig. Was macht Ihnen oder was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Rainer Schmidt: Ich habe das große Privileg, Dinge privat und beruflich zu tun, die mir wahnsinnig viel Spaß machen. Ich war gerne Pfarrer in einer Gemeinde, dann Dozent am pädagogisch theologischen Institut in Bonn und heute ist die Freiberuflichkeit genau das Richtige für mich. Und wenn ich Tischtennis spielen, dann immer leidenschaftlich. Ich kann mich also nicht für eine Reihenfolge entscheiden.

  • Wie kamen Sie denn eigentlich zum Tischtennis?

R.S.: Als ich zwölf Jahre alt war kam meine Familie auf die glorreiche Idee: wir machen Urlaub in einem kleinen Bauerndorf im Salzburger Land. Da gab es leider als Spielmöglichkeit für die Kinder nur eine Tischtennisplatte, also haben alle gespielt. Ich habe es ausprobiert, bin aber glorreich gescheitert. Bis mich ein Mann ansprach und vorschlug, mir einen Tischtennisschläger an den Arm zu binden. Gesagt, getan und ich bin ausgeflippt vor Freude. Kurz nach dem Urlaub bin ich in einen Verein gegangen und habe nie wieder aufgehört, Tischtennis zu spielen.

  • Was hat sie motiviert, Tag für Tag als Spitzensportler zu trainieren?

R.S.: Die ersten Jahre war es vor allem das Gefühl, ich werde besser. Und natürlich macht Bewegung und mit Freunden zusammen sein auch viel Spaß. Training habe ich eigentlich nie als Qual empfunden.

  • Sie sind bereits mit Ihrer Behinderung auf die Welt gekommen. Hat Sie dies in Ihrer Kindheit und Jugend stark eingeschränkt?

R.S.: Vermutlich hat mich die Behinderung stärker eingeschränkt, als ich es manchmal wahrnehme. Ich konnte kein Instrument lernen, war bis zum Ende der Realschul-Zeit auf einer Sonderschule, Fahrrad mit Stützrädern fahren ist auch doof (aber besser als zu Fuß laufen) und ich spekuliere mal, dass das ein oder andere Mädchen, was ich toll fand, mich gar nicht bemerkt hat (aber auch das geht ja jedem so). Überdies habe ich mir irgendwann angewöhnt, nicht auf das zu sehen, was nicht geht, sondern auf das, was möglich ist.

  • Welche Tipps haben Sie, um im Beruf sowohl Leistung auch als den Spaß beizubehalten?

R.S.: Wer im Beruf steckt, braucht immer wieder eine Herausforderung. Überforderungen lösen Angst aus, Unterforderungen Langeweile. Und man muss Teil eines guten Teams sein.

  • Was raten Sie Führungskräften im Umgang mit ihren Mitarbeitern?

R.S.: Ehrlich sein, zugewandt sein, gemeinsam Ziele verabreden, klar und verständlich kommunizieren.


Rainer Schmidt war Referent auf dem 10. Entscheiderinnenabend, den die Volksbank BraWo im November 2019 veranstaltete. Claudia Kayser, Leiterin der Direktion Wolfsburg, lädt hierzu weibliche Führungskräfte aus der Region zu spannenden Vorträgen und gemeinsamen Netzwerken ein.

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