Erfolgreiche und ethische Geldanlage für Stiftungen

Ohne Moos nichts los. Angesicht der historisch niedrigen Zinsen haben Stiftungen Probleme mit ihrem Kapital Erträge zu erwirtschaften, so dass sie ihre Aufwendungen decken und ihrem eigentlichen Stiftungszweck nachgehen können. Bei der gemeinsamen Veranstaltung der Braunschweiger Privatbank und des EngagementZentrums bekamen die Vertreter von rund 40 Stiftungen und anderen Non Profit-Organisationen aus der BraWo-Region praktische Tipps für den sinnvollen Einsatz und die Mehrung ihres Kapitals.

Referent Rüdiger Becker, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Neuerkerode spricht über ethische Geldanlage

Zunächst begrüßten Stefan Riecher, Direktor der Braunschweiger Privatbank, und Malte Schumacher, Geschäftsführer des EngagementZentrums, die Teilnehmer zur 10. Veranstaltung für Stiftungen, Kirchen und Vereine. Während Schumacher einen Einblick in die vielfältige hiesige Stiftungslandschaft gab, kam Riecher auf wichtige aktuelle stiftungsrechtliche Aspekte zu sprechen.

An Anlagen am Aktienmarkt führt kein Weg mehr vorbei

Anschließend gab Referent Dieter Lehmann, Leiter Vermögensanlage der VolkswagenStiftung, tiefe Einblicke in deren Anlagestrategie. Auch wenn der Kapitalstock seiner Stiftung zu den größten in Deutschland zählt, können sich auch kleine Stiftungen daran orientieren.

Lehmann legte dar, dass jede Stiftung unter Berücksichtigung ihrer Rahmenbedingungen eine individuelle Anlagestrategie entwickeln sollte. Ziel muss es sein, nicht nur Erträge für die Förderprojekte zu erwirtschaften, sondern auch den Kapitalstock stetig zu vergrößern. Festverzinsliche Wertpapieren bringen im Schnitt allerdings nur noch ein Prozent Ertrag ein. In Zeiten der Niedrigzinsphase kommen Stiftungen daher nicht daran vorbei, einen Teil ihres Kapitals im Aktienmarkt anzulegen sowie eventuell auch in Immobilien und alternative Anlageformen zu investieren. Insbesondere am Aktienmarkt kommt es darauf an, eine langfristige Strategie zu verfolgen und hierbei auf ETFs (börsengehandelte Fonds), Dividendenausschüttungen und stabile Unternehmen zu setzen. Elementar wichtig sei es dabei, das Risiko breit zu streuen. „Wer in seinem Portfolio nicht auch negative Positionen hat, hat nicht gut gestreut“, so Lehmann. Bei einer negativen Entwicklung einzelner Titel gilt es nicht nervös zu werden und in blinden Verkaufs-Aktionismus zu verfallen, sondern auf eine Erholung der Märkte zu setzen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Indizes selbst nach extremen Kursverlusten wenige Jahre später wieder ihren Ausgangswert erreicht haben und dann noch weiter gestiegen sind. Weil Stiftungen auf Dauer angelegt sind, können und sollten sie sich diese Zeit nehmen.

Anders als noch vor gut zehn Jahren spielen zudem politische Risiken wie Brexit, Trump, Erdogan, Nordkorea, IS etc. an den Aktienmärkten zurzeit kaum eine Rolle. Das kann sich zwar ändern, zeugt aber für eine stabile Wirtschaft. Eine Hinzunahme von Aktien erhöht also nicht das Risiko beim Einsatz des Stiftungskapitals, sondern verringert es. Viele von Lehmanns Empfehlungen kann im Übrigen auch jeder Aktionär als Richtlinie für seine privaten Einlagen nehmen.

„Mission Invest“ – Investitionen mit Anstand

Auch für den zweiten Referenten, Rüdiger Becker, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, steht es außer Frage, dass das Erwirtschaften von Kapital die Grundlage für die Stiftungsarbeit ist. In seinem Vortrag betrachtete er das Thema aber weniger betriebswirtschaftlich als vielmehr philosophisch. Unter dem Titel „Mission Investing“ plädierte er für Investitionen mit Anstand, wie es die Evangelische Stiftung Neuerkerode schon seit über 150 Jahren tut. Geld ist per se nicht gut oder böse, erst mit dem Einsatz erzielt es eine positive oder negative Wirkung. Dementsprechend geht es darum, sich einen Ethik-Filter aufzulegen und das eigene Gewissen mit einzubeziehen. Dieses dient als Kompass, um die „guten“ von den „schlechten“ Investments zu unterscheiden. Kriterien und Leitlinien sind hier zum Beispiel Nachhaltigkeit, Humanismus, Teilhabe und Förderung der Gesellschaft.

Allerdings sind die Vernetzungen in der Wirtschaft und einzelner Unternehmen so komplex, dass es bei vielen Investitionsentscheidungen am Aktienmarkt nicht nur schwarz oder weiß gibt, sondern einen großen Graubereich mit den unterschiedlichsten Schattierungen. Neben klaren Prinzipien sind hier im Zweifelsfall auch Fingerspitzengefühl und eine Diskussionskultur gefragt, sowohl intern als auch mit der Öffentlichkeit.

Viele intererssierte Besucher bei dem gemeinsamen Seminar der Braunschweiger Privatbank und des EngagementZentrums

Aufschlauen und Netzwerken 

„Vor allem für kleine Stiftungen ist es wichtig, solche Angebote wahrzunehmen. Hier erhält man wichtige Tipps und Informationen, kann sich mit anderen Stiftungen austauschen und sein Netzwerk erweitern. Dafür ist dieses Format bestens geeignet“, zog Teilnehmer Franz Hüsing, Direktor der Stiftung Zukunft Wald, ein positives Fazit der Veranstaltung.

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