Florian Langenscheid: Fluch und Segen der Digitalisierung

Die Digitalisierung eröffnet jedem einzelnen Menschen sowie der gesamten Gesellschaft ungeahnte Möglichkeiten. Das erste iPhone kam im Jahr 2007 auf den Markt. Wer hätte sich Anfang des Jahrtausends vorstellen können, dass heute fast jeder Mensch auf der ganzen Welt nicht nur permanent ein mobiles Telefon mit sich führt, sondern dieses zugleich Computer, Kamera, Fernseher, Kalender, Wecker, Diktiergerät, Straßenkarte und noch vieles mehr in einem ist? Obwohl sich in den letzten Jahren bereits sehr viel getan hat, stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung.

„Wir müssen jetzt die Weichen dafür legen, dass die positiven Folgen der Digitalisierung nicht von den negativen Folgen überlagert werden“, fordert Florian Langenscheidt bei der 6. Factory Lounge in der Berliner Staatsbibliothek, bei der die Berliner Bürgerstiftung, der Rotary Club Berlin und die Braunschweiger Privatbank Gastgeber waren.  

Gravierende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche

In seinem Vortrag vor 250 geladenen Gästen veranschaulichte Langenscheidt die gravierenden Folgen der Digitalisierung und zeigte anhand von drei Lebensbereichen, warum sie Fluch und Segen zugleich ist.

Einerseits eröffnet sie den Menschen ungeahnte Möglichkeiten, weil für fast jeden, dank Wikipedia und Co., ein freier und kostenloser Zugang zum Wissen der Welt besteht. Andererseits kann man in Zeiten von Fake News nicht mehr sicher sein, was wirklich der Wahrheit entspricht. Die Verlässlichkeit der Information nimmt ab.

Einerseits sind die Menschen durch die modernen Kommunikationsmittel weltweit miteinander verbunden. Die Kommunikation ist grenzen- und kostenlos. Andererseits wird sie immer oberflächlicher. Zudem ist man mit einem Smartphone immer erreichbar und stets gefordert, so dass Ruhepausen ausbleiben und die Zeit für Muße zu kurz kommt.

Einerseits sind über Online-Händler wie Amazon Abermillionen Produkte über Nacht verfügbar, so dass jedweder Bedarf sofort befriedigt werden kann. Andererseits krempelt die Digitalisierung die gesamte Wirtschaft und damit große Bereiche unseres Lebens rapide um. Das führt in weiten Teilen der Bevölkerung zu starker Verunsicherung und ist ein Nährboden für Populisten. An die Unternehmer richtete Langenscheidt im Zuge dessen eine Warnung: Wer die Digitalisierung verschläft, wird sich nicht am Markt behaupten können. „Heute sind 7 der 10 wertvollsten Firmen der Welt Datenunternehmen, bald werden es 10 von 10 sein“, prognostiziert der Verleger und Buchautor, der einerseits den Untergang der Bücherbranche selbst leidvoll erfahren musste, anderseits als Business Angel erfolgreich in viele Digitalunternehmen investiert hat.

Langenscheidt beendete seinen Vortrag mit dem Aufruf an die Zuhörer, sich nicht zum Sklaven der Technik zu machen. Schließlich hat jeder die Freiheit, das Smartphone einfach mal auszuschalten. Weniger digitales Leben ist mehr echtes Leben. „Das Glück wartet nicht im Laptop und nicht im Smartphone, sondern in uns“, bringt Langenscheidt seine Überzeugung auf den Punkt. Die richtige Dosis Internet und soziale Medien ist entscheidend dafür, dass wir für uns das Beste aus der Digitalisierung machen können.

Werte leben, Werte schaffen

„Bei der Braunschweiger Privatbank haben wir uns mit unserem Ansatz ‚Werte leben, Werte schaffen‘ feste Grundsätze gegeben und damit den Rahmen für solides und nachhaltiges Wirtschaften geschaffen. Solche Spielregeln muss es auch im Netz und im dem Umgang mit der Digitalisierung geben“, schließt sich Sascha Köckeritz, Leiter der Braunschweiger Privatbank, den Ausführungen von Florian Langenscheidt an. „Mit Veranstaltungen wie dieser schaffen wir eine Plattform, um die Folgen der Digitalisierung stärker ins Bewusstsein zu rufen. Gleichzeitig geben wir engagierten Bürgern damit die Möglichkeit, sich auszutauschen und sich zusammenzuschließen, um die Entwicklung für die Gesellschaft in die richtigen Bahnen zu lenken“, begründet Köckeritz das gemeinsame Engagement mit der Berliner Bürgerstiftung, zu der die Privatbank seit Jahren eine partnerschaftliche Beziehung pflegt.

Impressionen von der 6. Factory Lounge in Berlin

Impressionen von der 6. Berliner Factory Lounge

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