Der DAX verändert sich, der DAX lebt

Von den 30 Gründungsmitgliedern des DAX ist heute nur noch weniger als die Hälfte in dem Index vertreten. Jüngstes Beispiel: Am 24.09. musste das Urgestein Commerzbank seinen Platz für Wirecard räumen. Der Wandel der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen lässt sich auch daran ablesen, wie sich die Zusammensetzung des Leitindex ändert.

Wirtschaftsnachrichten von der BörseBild: fotolia // stadtratte

Vor kurzem schied mit General Electric nach über 120 Jahren das letzte Gründungsmitglied aus dem Dow Jones aus. Auch in Deutschland hat es in der 30-Jährigen Geschichte des DAX schon so manche Veränderung in der Zusammensetzung des Leitindex gegeben, der insgesamt 30 Börsentitel umfasst. Einige Unternehmen wie Continental oder auch Infineon kamen nach ihrem Abstieg wieder, andere Unternehmen wie Feldmühle Nobel und Nixdorf wurden übernommen oder gerieten in Vergessenheit.

Stetiger Wandel in der Zusammensetzung des DAX

Die Zusammensetzung des Leitindex ist auch ein Spiegelbild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen, was sich besonders im Dow Jones ablesen lässt, der mit Google (bzw. Alphabet), Amazon und Apple heute die wertvollsten Unternehmen der Welt in sich trägt.

Auch in Deutschland ist der Wandel in der Zusammensetzung des DAX bemerkenswert. Mit der Deutschen Bank, Dresdner Bank, Commerzbank, Bayerischen Vereinsbank sowie der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank gingen 1988 gleich fünf Banken als DAX-Werte an den Start, von denen mit der Deutschen Bank nur noch eine im Index ist. Der Versicherer Allianz musste bisher aber nie um seinen Platz bangen.

Ein deutlicher Wandel in der Struktur unserer Wirtschaft und Gesellschaft wird auch darin deutlich, dass die beiden Kaufhäuser Karstadt und Kaufhof Gründungsmitglieder des DAX waren, die heute gar nicht mehr als eigene Marke an der Börse vertreten sind.

Veränderungen bei Industrie und Energie – Autobranche stabil

Die deutsche Industrie war bei der Gründung des DAX mit Continental, Deutsche Babcock, Feldmühle Nobel, Nixdorf, Henkel, Linde, MAN, Mannesmann und Siemens vertreten und hat sich recht gut gehalten. Ohne Veränderungen blieb es aber auch hier nicht: Die Deutsche Babcock wurde insolvent und Feldmühle Nobel von Stora Kopparberg aufgekauft, MAN findet sich heute im VW-Konzern wieder und Mannesmann wurde von Vodafone übernommen.

Ähnlich konstant sind die Energie- und Chemieunternehmen. Die Energieversorger traten anno 1988 mit Veba, Viag und RWE an. RWE ist noch immer im DAX, während Veba und Viag in E.ON aufgingen. Von den Chemieriesen sind Bayer und BASF geblieben, Hoechst schloss sich mit Rhône-Poulenc zusammen und wurde zu Aventis.

Die drei Gründungsmitglieder aus der Autoindustrie – BMW, Daimler und Volkswagen – sind auch heute noch alle dabei: Wer genauer hinsieht, entdeckt dennoch eine Änderung: VW ging mit Stammaktien an den Start und hat heute die Vorzugsaktien im Index, nachdem 2009 der Streubesitz der Stammaktien unter 10 Prozent sank. Die Deutsche Lufthansa hat nicht nur gute Zeiten erlebt, behauptete aber durchgehend ihren Platz in den Top 30.

Gastspiele und Neulinge im DAX

Wer sich anschaut, welche Titel im Lauf der Zeit so alles zum DAX gehörten, stößt auf Namen wie den Finanzdienstleister MLP, die Salzgitter AG oder den Handelsriesen Metro. Nixdorf wurde gegen die Preusssag ausgetauscht und Schering durch Bayer übernommen. Hinzugekommen sind in den Jahren u.a. SAP (1995), Adidas (1998), Fresenius (1999), HeidelbergCement (2010) und ProSiebenSat.1 Media (2016). 

Jede Änderung in der Zusammensetzung des DAX hat seine eigene Geschichte. Mal steckt eine Übernahme dahinter, mal Missmanagement. Häufig steht aber auch ein gesellschaftlicher Wandel dahinter, der starke Auswirkungen auf einzelne Unternehmen und letztlich auf Teile der Gesamtwirtschaft hat.

Über den Autor
Thomas Heinisch ist Portfolioberater bei der Braunschweiger Privatbank. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Bankbusiness, Schwerpunkt Wertpapiergeschäft und im Private Banking Bereich. Zudem ist er Vorstandsmitglied der Stiftung Braunschweiger Bürgerpreis.

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