Richtig Geld anlegen: Börsenexperte Markus Koch im Interview

Börsenexperte und n-tv-Moderator Markus Koch ist das wohl bekannteste deutsche Gesicht an der Wall Street. Seit 1996 berichtet er fundiert über die Vorgänge an den internationalen Aktienmärkten. Am 10. März war Koch im Rahmen seines Deutschlandbesuchs zu Gast in Braunschweig und sprach mit Dr. Ulrich Kaffarnik, Vorstandsmitglied der DJE Kapital AG, und Michael Pannwitz, Leiter Individualkunden bei der Volksbank BraWo, unter anderem über die aktuellen Entwicklungen an der Börse und die Auswirkungen der US-Präsidentschaftswahl. Im Interview mit BraWo aktuell verrät er seinen persönlich besten Trade und Anlagetipps für Eltern.

Markus Koch VeranstaltungBörsenexperte Markus Koch (li.) und Dr. Ulrich Kaffarnik, Vorstandsmitglied der DJE Kapital AG, waren auf Einladung von Michael Pannwitz (Mitte), Leiter Individualkunden der Volksbank BraWo, zu Gast in Braunschweig.

  • Herr Koch, was empfehlen Sie Anlegern, um in der Niedrigzinsphase eine Rendite erzielen zu können?

Ich empfehle Anlegern grundsätzlich, in diesem Niedrigzinsumfeld immer zuerst eine Strategie zu haben. Das heißt, eine Mischung aus Aktien – die ein stückweit alternativlos sind – und Dividenden, um eine Art Zinsalternative zu bekommen. Anleihen gehören aber auch mit dazu, auch wenn hier das Potential immer niedriger wird. Strategie heißt also, eine gute Mischung zu haben, zugeschnitten auf einen selbst.

  • Raten Sie generell von etablierten Anlageformen wie Staatsanleihen, Festgeld, Rentenpapieren, Private Equity oder Gold ab?

Nein, natürlich nicht. ‚Etabliert‘, der Begriff sagt es ja schon, sie gehören immer ein stückweit mit dazu. Ein bisschen Cash zurückzulegen ist auch nicht schlecht, solange man sich nicht nur auf das Sparbuch als Geldanlage beschränkt. Diversifizierung ist das A und O.

  • Wie beurteilen Sie den Handels- und Zollstreit zwischen den USA und China? Wie wird er sich in naher Zukunft auf die Börse auswirken?

Der Handels- und Zollstreit zwischen den USA und China wird sich ein stückweit erübrigen. Ob das jetzt schon vor den Wahlen (geplant am 3. November 2020, Anm. d. Red.) aufgrund des Corona-Virus passiert, sei dahingestellt. Durchaus denkbar ist auch, dass Donald Trump eine Art Moratorium auf den Handelskonflikt ausruft, dass dieser also kurzfristig für eine gewisse Zeit pausiert. Im Großen und Ganzen ist der Schritt, eine bessere Handelspolitik zwischen den beiden Staaten zu erreichen, der richtige. Die Frage ist dabei nur, ob Donald Trump bekommt, was er will und ob er im Endeffekt auch die Wahrheit über die Ergebnisse sagen wird.

  • Was glauben Sie, wie würde sich eine eventuelle Wiederwahl Donald Trumps auf die Märkte auswirken?

Eine Wiederwahl Donald Trumps würde von der Wall Street begrüßt werden, denn seine Politik hat den Aktienmarkt lange Zeit angefacht. Steuerreformen und letztendlich auch die Fiskalpolitik, sprich: das „auf Pump leben“, das Donald Trump auch wirklich durch und durch tut, wirkt sich zunächst positiv auf den Aktienmarkt aus. Ob das auf Dauer gesund für die Wirtschaft ist, ist fraglich. Aber ich glaube Joe Biden von den Demokraten ist ein ernsthafter Kandidat, wenn er das Rennen um die Präsidentschaft gegen Trump antritt. Und gerade in Anbetracht des schwachen Aktienmarktes und der jetzt abflauenden Wirtschaft haben die Demokraten möglicherweise viel bessere Karten. Und wenn Biden gewinnen sollte, glaube ich, dass die Wall Street damit wahrscheinlich auch ganz gut zurechtkommt, solange er Corporate America – die Großkonzerne und Industriegiganten – über seine Steuerreform beruhigt.

  • Warum sind Sie mit der Expertise, die Sie im Bereich der internationalen Märkte und Börsengeschäfte haben, kein Broker mehr?

Weil mir Berichterstattung viel Spaß macht und Freude bereitet. Ich bin seit 1994 mit meiner Agentur selbstständig und dem werde ich auch treu bleiben. Fondsmanager können ihren Job, weil sie Fondsmanager sind. Das ist richtig harte Arbeit und ich berichte lieber über sie. Ich rede lieber über Geld, ist immer die sicherere Variante. (lacht)

  • Was war bisher Ihr bester und was der schlechteste Trade?

Also der schlechteste Trade war meine Scheidung. Sie hat mir aber wenigstens die Finanzkrise einfacher gemacht, weil das Geld jemand anderes hatte. (lacht) Und der beste Trade: Ganz klar, die Geburt meiner Tochter. Das schönste Geschenk meines Lebens! So einfach kann das Leben sein.

  • Wie sollte man für sein Kind monatlich vorsorgen und ab welchem Alter?

Die Vorsorge für mein Kind bedeutet vor allem eins: Aktien. Und das volle Kanne. Denn meine Tochter kann Risiko fahren ohne Ende und hat viel Zeit, das ist immer das A und O bei der Anlage. Wer viel Zeit hat, der kann auch im Prinzip volles Risiko fahren. Sie ist jetzt sieben Jahre alt und selbst wenn der Markt mal einen Crash durchlaufen sollte, ist das eine tolle Gelegenheit aufzustocken. Von daher heißt es ganz klar, Aktienanlage vom ersten Tag an. Also ab der Geburt war bei meiner Tochter schon das Depot mit dabei.

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