Gleichberechtigung für Investmentfonds aus dem In- und Ausland

Erträge von aus- und inländischen Investmentfonds werden bislang unterschiedlich versteuert. Ab dem 01. Januar 2018 ist das vorbei, eine Gesetzesnovelle sorgt für eine Vereinheitlichung. Michael Pannwitz, Leiter des Bereichs Individualkunden bei der Volksbank BraWo, spricht im Interview mit BraWo aktuell über die Auswirkungen und Handlungsbedarf von Fondskunden.

Michael Pannwitz Fondsbesteuerung

Herr Pannwitz, was bedeutet die Reform des Investmentsteuerreformgesetzes für Fondskunden?
Mit der Änderung werden komplizierte Teile der Investmentfondsbesteuerung vereinfacht. Eine Steuererhöhung durch die Hintertür soll es explizit nicht sein. So gibt es durchaus positive Aspekte wie die Teilfreistellungen, den hohen Freibetrag für Altveräußerungsgewinne und die Vereinfachungen bei Ausschüttungen und Thesaurierungen. Auf der anderen Seite sind einige Neuerungen für Privatanleger erklärungsbedürftig und stellen teilweise auch Belastungen dar.

Sind Anleger dadurch insgesamt schlechter gestellt?
Nein, denn einerseits haben Aktienfonds bereits heute den Vorteil gegenüber der Direktanlage in Aktien, dass Verluste mit Zinseinnahmen verrechnet werden können. Hinzu kommt in Zukunft der Ausgleich für die neuen Steuern auf Fondsebene durch die Teilfreistellungssätze. Da diese Teilfreistellungen auch für Veräußerungsgewinne gelten, kann die Neuregelung in einem längerfristig positiven Aktienmarktumfeld sogar zu insgesamt geringeren Steuern führen. Für Anleger mit Erträgen unterhalb des Sparerpauschbetrags kann es dagegen zu einer steuerlichen Mehrbelastung kommen. Allerdings bewegt sich diese nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums im Durchschnitt bei drei Euro pro Jahr.

Was passiert mit Fonds, die vor 2009 erworben wurden?
Sie sprechen die Kappung des Bestandsschutzes zum 31. Dezember 2017 an. Kursgewinne, soweit sie auf die Zeit ab 2018 entfallen, werden dann steuerpflichtig. Doch der durchschnittliche Privatanleger dürfte durch den hohen einmaligen Freibetrag von 100.000 Euro davon nicht betroffen sein. Ein Verkauf von Altanteilen vor dem 31.12.2017 ist daher aus steuerlicher Sicht weder notwendig noch sinnvoll. Denn der Kunde würde durch einen Verkauf den hohen Freibetrag verlieren. Es gibt hierbei also keinen Handlungsbedarf!

Was sollten Fondsbesitzer stattdessen jetzt tun?
Aufgrund des Wechsels der Fondsbesteuerung wird es in diesem Jahr ausnahmsweise für alle Fonds eine Thesaurierung zum Jahresende geben, die natürlich steuerpflichtig ist. Daher sollten Kunden zusammen mit ihrem Bankberater den Freistellungsauftrag überprüfen. Falls nötig, kann dieser noch bis Mitte Dezember geändert werden.

Das Investmentsteuerreformgesetz in Kürze

SteuerInvestmentfonds_Union Grafik

  • Fondsbesteuerung

Ab 1. Januar 2018 erfolgt die Besteuerung sowohl auf der Anlegerebene als auch auf der Fondsebene. Dann fällt auf deutsche Aktien- und Immobilienerträge für einen Fonds Steuer in Höhe von 15 beziehungsweise 15,825 Prozent an.

  • Teilfreistellung

Als Ausgleich für die Besteuerung auf Ebene des Investmentfonds wird ein Teil der Erträge auf Anlegerebene von der Besteuerung freigestellt. Die Höhe der Steuerfreistellung des Anlegers bestimmt sich nach dem Anlageschwerpunkt des Investmentfonds.

  • Ausschüttung

Die Ausschüttung wird beim Privatanleger grundsätzlich voll der Abgeltungsteuer unterliegen. Durch die zum 1. Januar 2018 eingeführten Teilfreistellungen kann die Steuerpflicht aber abhängig von der Art des Fonds reduziert werden.

  • Vorabpauschale

Für Fonds, die sehr wenig ausschütten beziehungsweise vollständig thesaurieren, erfolgt beim Anleger durch die Vorabpauschale eine jährliche Mindestbesteuerung.

  • Veräußerung

Beim Verkauf von Fondsanteilen unterliegt der Veräußerungsgewinn beim Privatanleger der Abgeltungsteuer. Für Altanteile (Kauf vor dem 1. Januar 2009) gibt es darüber hinaus Sonderregeln (siehe „Bestandsschutz“). Bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinns werden alle bereits vom Privatanleger versteuerten Erträge (siehe „Vorabpauschale“) mindernd berücksichtigt.

  • Thesaurierung

Zum Zeitpunkt der Thesaurierung eines Investmentfonds passiert steuerlich für den Privatanleger in seinem Depot zukünftig nichts mehr. Für die jährliche Besteuerung sorgt die Vorabpauschale.

  • Bestandsschutz

Der Bestandsschutz für Kursgewinne aus Altanteilen (Kauf vor dem 1. Januar 2009) wird per 31. Dezember 2017 gekappt; Wertzuwächse bis zum 31. Dezember 2017 bleiben steuerfrei. Zum Ausgleich dazu gibt es einen (neuen) einmaligen Freibetrag von 100.000 Euro für jeden Steuerpflichtigen. Der Freibetrag gilt für Gewinne, soweit sie auf die Zeit ab dem 1. Januar 2018 enthalten.

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