5 Fragen an … Fondsmanager Dr. Ulrich Kaffarnik

Im Rahmen der Interviewreihe zum aktuellen Börsengeschehen stellen wir regelmäßig 5 ausgewählte Fragen an Experten aus dem Bereich Fonds- und Portfoliomanagement. Michael Pannwitz, Leitung des Bereiches Individualkunden der Volksbank BraWo, hat für unser zwölftes Interview mit Dr. Ulrich Kaffarnik, Vorstandsmitglied der DJE Kapital AG, gesprochen.

Wer ist Dr. Ulrich Kaffarnik?

Dr. Ulrich Kaffarnik

Dr. Ulrich Kaffarnik ist Vorstandsmitglied bei der DJE Kapital AG (DJE) und verantwortet den Bereich Fondsmanagement & -handel. Außerdem ist er Geschäftsführer der Luxemburger Kapitalanlagegesellschaft, der DJE Investment S.A.

Nach dem Studium war Kaffarnik zunächst bei verschiedenen Banken tätig. 1991 wechselte er in die Investmentfondsbranche. Nach zwei Jahren bei Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co in Frankfurt übernahm er die Leitung des Fondsmanagements der Franken-Invest Kapitalanlagegesellschaft in Nürnberg, wo er 1996 in die Geschäftsführung berufen wurde.

Vor seinem Eintritt bei der DJE Kapital AG als Vorstand war er im Jahr 2006 Geschäftsführer bei BHW Invest.


Michael Pannwitz: In den vergangenen zwei Jahren mussten wir an den Kapitalmärkten zugleich zwei Krisen miterleben. Hat sich Ihre Sichtweise auf die Märkte dadurch gravierend geändert?

Ulrich Kaffarnik: Grundsätzlich hat sich dadurch nichts geändert. Krisen tauchen an den Kapitalmärkten immer wieder auf. Häufig – aber nicht immer – sind auch die negativen Ursachen gleich. Die Kombination und die Stärke der einzelnen Faktoren unterscheiden sich dagegen.  Dazu ein aktuelles Beispiel: Bei den bisher in diesem Jahrtausend stattgefundenen Zinserhöhungsrunden der amerikanischen Notenbank (FED) waren sowohl die Inflation als auch die Aktienkurse am Ende des Bremszyklus höher als zu Beginn. Dies kann aber nicht auf die derzeitige Situation übertragen werden, da die FED diesmal erst bei einer viel höheren Inflation restriktiver geworden ist, dafür aber schnell und mit höheren Schritten (0,75% statt 0,25%) bremst.

MP: Volatile Märkte und steigende Zinsen sorgen aktuell auch für Herausforderungen bei Mischfonds. Wie lässt es sich hiervon dennoch profitieren?

UK: In einer Zeit, in der Anleihen- und Aktienmärkte unter Druck sind, ist eine vorsichtige Grundausrichtung das Gebot der Stunde. Dies geschieht vor allem durch eine höhere Kassenhaltung, eine Verkürzung der Restlaufzeiten bei Renten und einer Übergewichtung von wenig konjunktursensiblen Branchen auf der Aktienseite. Darüber hinaus gilt es, Sondersituationen zu nutzen, wie in diesem Jahr die Stärke von Ölaktien aufgrund des hohen Ölpreises.

MP: Wie schützen Sie Ihre Investmentfonds vor unvorhersehbaren Ereignissen, die auch als „Schwarze Schwäne“ bezeichnet werden?

UK: Ein Schutz gegen solche Ereignisse gibt es nur, wenn man permanent zumindest teilweise abgesichert ist. Am besten wären dazu Put-Optionen auf Aktienindizes geeignet. Dies ist jedoch sehr teuer, da es in Aufwärts- und Seitwärtsphasen immer Performance kostet. Deshalb ist eine andauernde Absicherungspolitik nicht unsere Strategie. Manchmal zeichnen sich jedoch mögliche Belastungspunkte an den Kapitalmärkten frühzeitig ab, worauf wir mit punktuellen Absicherungen reagieren können.

Michael Pannwitz

MP: Das Wort Nachhaltigkeitspräferenz könnte das „Wort des Jahres“ werden. Wo sehen Sie den Vorteil der Nachhaltigkeit und wie können besonders nachhaltige Unternehmen aktuell profitieren?  

UK: Der Nachhaltigkeitsansatz hat eine sehr langfristige Ausrichtung, ist aber auch der Veränderung politischer Einschätzungen unterworfen, wie aktuell die Aufnahme von Kernenergie in den Katalog nachhaltiger Energieträger zeigt. Generell weisen Unternehmen mit einem stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit ein geringeres Risikoprofil auf, da bestimmte Problemfelder entweder gar nicht oder in einem geringeren Ausmaß existieren. Dies wird perspektivisch zu einer erhöhten Nachfrage nach solchen Titeln durch die Investmentindustrie führen und damit die Kurse stützen. Da diese Entwicklung politisch gewünscht ist, wird sich das auch in der Kreation weiterer Investmentprodukte mit einem Nachhaltigkeitsfokus niederschlagen, was den bestehenden Trend nochmals verstärkt.

Über einen kürzeren Zeitraum können aber Nachhaltigkeitsfonds auch eine deutlich Unterperformance erzielen, wie die letzten eineinhalb Jahre gezeigt haben.

MP: Die aktuelle Dollar-Stärke ist je nach Blickwinkel "Segen und Fluch" zugleich. Wo sehen Sie hierdurch die größten Chancen und die größten Risiken? Wer könnte wirtschaftlich ein "Gewinner" werden?     

UK: Grundsätzlich wirkt die Dollarstärke deflationär, da sich dadurch die in Dollar notierten Rohstoffe verteuern, was wiederum die Nachfrage dämpft. Dies dauert aber eine gewisse Zeit. Allerdings scheint der Mechanismus auch jetzt wieder zu wirken. So sind beispielsweise die Preise für Erdöl und Kupfer deutlich von ihren zwischenzeitlich erreichten Hochs zurückgekommen. Ein anderer Effekt ist, dass die Dollarstärke gegenüber dem Euro die Gewinne von exportorientierten Unternehmen begünstigt. Dies wird aktuell aber durch negativen Konjunkturerwartungen und geopolitische Einflüsse, insbesondere dem Krieg in der Ukraine, überkompensiert. Die geopolitischen Unsicherheiten und die sehr restriktive Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank sprechen auch für eine weiteres Anhalten der Dollarstärke. Solange dieser Trend anhält, kann man als Euroanleger vom Kauf kurzlaufender, in US-Dollar notierter, Anleihen profitieren.

MP: Vielen Dank!


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