5 Fragen an ... Assetmanager Marcel Maschmeyer

Im Rahmen der Interviewreihe zum aktuellen Börsengeschehen stellen wir regelmäßig 5 ausgewählte Fragen an Experten aus dem Bereich Fonds- und Portfoliomanagement. Michael Pannwitz, Leiter des Bereiches Individualkunden der Volksbank BraWo, hat für unser sechstes Interview mit Marcel Maschmeyer, Gründer und Sprecher des Vorstands von Paladin Asset Management, gesprochen.

Wer ist Marcel Maschmeyer?

Marcel Maschmeyer verbrachte seine Kindheit und Teile seiner Jugend in seiner Geburtsstadt Hannover. Er studierte Volkswirtschaft an der Queen Mary University in London und absolvierte ein MBA-Studium an der Oxford University. Er begann seine berufliche Laufbahn bei der Deutschen Bank. Im Jahr 2013 gründete er Paladin Asset Management. Er managt gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Matthias Kurzrock den Publikumsfonds „Paladin ONE“. Er wohnt und arbeitet in Niedersachsens Landeshauptstadt.

Marcel Maschmeyer, Sprecher des Vorstands von Paladin Asset Management. Foto: M. WillMarcel Maschmeyer, Sprecher des Vorstands von Paladin Asset Management. Foto: M. Will


Michael Pannwitz: Was machen Sie anders als andere Aktienfonds?

Marcel Maschmeyer: Wofür stehen wir bei Paladin? Wenn wir die Frage umformulieren dürfen, fällt die Antwort kürzer und deutlich konkreter aus. Beginnen wir mit der Zielsetzung: Wir wollen mit dem Paladin ONE 10 Prozent Performance im langjährigen Durchschnitt erzielen – bei geringeren Schwankungen als im DAX und vergleichbaren Indizes. Anleger investieren bei uns, weil wir in den letzten Jahren verlässlich gezeigt haben, dass wir diesen anspruchsvollen Spagat schaffen können: in der rollierenden 5-Jahresbetrachtung liegen wir deutlich vor den deutschen Indizes.

Unser sehr konzentriertes Portfolio besteht aus ca. 25 Aktien – weit weniger als bei anderen Fonds. Dabei zielen wir vor allem auf Value Titel, die den Schwerpunkt unseres Portfolios bilden. Wir investieren ausschließlich auf Basis eigener Research-Ergebnisse. Der Fokus liegt hierbei auf der akribischen Analyse unserer Portfoliounternehmen. Für dieses Auswahlverfahren investieren wir mit 4 bis 6 Wochen überdurchschnittlich viel Zeit. Dadurch (er)kennen wir unternehmensspezifische Risiken und können diese im Portfolio gezielt aussteuern. 

MP: Wie kommen Sie auf neue Investmentideen, wenn man die teils doch recht speziellen Geschäftsmodelle der Unternehmen im Fonds berücksichtigt?

MM: Alle sind auf der Suche nach dem einen Schlüssel, den man dauerhaft erfolgreich anwenden kann. Diese magische Formel gibt es nicht. Ideen kommen über Konferenzen, unser gewachsenes Netzwerk und vor allem auf Basis eigener Recherche. Über die Jahre haben wir zudem eine umfangreiche Wissensbibliothek aufgebaut, die alle Unternehmen enthält, die wir bereits einmal ausführlich analysiert haben. Unser Fokus liegt hier vor allem auf dem deutschsprachigen Raum, den wir besonders gut kennen.

Michael Pannwitz

MP: Warum findet man im Portfolio Ihres Fonds nicht die aktuell großen Favoriten der Börsen?

MM: Wir machen uns bei unseren Anlageentscheidungen möglichst frei von jedweder Marktmeinung oder Stimmungslage am Börsenparkett. Vielmehr konzentrieren wir uns auf die akribische Selektion unserer Portfoliounternehmen. Aktuell sind dies überwiegend Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen – sogenannte Small- und Mid-Caps. Wir sind dabei keinesfalls dogmatisch und haben in der Vergangenheit auch schon in DAX Titel investiert. Erfahrungsgemäß können wir aber in diesem Segment die Vorteile unseres Analyseprozesses vollumfänglich ausspielen. Deshalb bewegen wir uns bewusst abseits der „ausgetretenen Pfade“ – es gibt wenige Überschneidungen mit den Portfolioinhalten unserer Vergleichsgruppe. Dadurch liefern wir echte Diversifikation für die Depots der Anleger.

MP: Gibt es Faktoren, die über das Timing beim Kauf und Verkauf bei Ihnen entscheiden?

MM: Ersetzen wir Timing durch „Voraussetzungen für einen Kauf oder Verkauf“. Grundsätzlich suchen wir Unternehmen, die ihr Potential noch nicht vollumfänglich im Börsenpreis widerspiegeln. Nach der detaillierten Analyse des Unternehmens und der Fertigstellung unserer internen Anlageentscheidung haben wir auf Basis objektivierter Fakten eine Meinung, warum sich die Wahrnehmung der Gesellschaft durch andere Investoren verbessern sollte. Am Ende brauchen wir eine Antwort auf die entscheidende Frage: warum jetzt? 

Beim Verkauf wiederum spielt Disziplin eine entscheidende Rolle: ist das Kursziel überschritten oder der Investment Case nicht mehr intakt, wird die Position in aller Regel verkauft.

MP: Wie schaffen Sie es, die Schwankungen (Volatilität) im Vergleich zu vielen anderen Anbietern so gering zu halten?

MM: Wir setzen auf drei Säulen: Value-Aktien, Sondersituationen und Liquidität. Diese Mischung hat in der Vergangenheit zwei Dinge ermöglicht: eine hohe Rendite und die von ihnen angesprochene hohe Stabilität, auch in unruhigen Zeiten.

Uns ist bewusst, dass wir mit dem Kauf einer Aktie wohlüberlegte unternehmerische Risiken eingehen. Entscheidend ist jedoch, dass wir unsere Portfoliounternehmen genau kennen und Chancen wie auch Risiken greifen können. Was passiert mit jedem einzelnen Unternehmen, wenn sich Rahmenbedingungen wie Zinsen oder Konjunktur verändern? Diese Fragen beantworten wir in umfangreichen Szenarioanalysen. Entscheidend ist, spezifische Risiken auf Gesamtportfolioebene im Griff zu haben. Das ist sicherlich eine Stärke von uns, wie die Stabilität des Fonds beweist.

Sondersituationen entstehen beispielsweise bei Übernahmen und den damit verbundenen gesellschaftsrechtlichen Strukturmaßnahmen. Im Gesetz ist klar definiert, wie sie ablaufen. Das macht sie planbar. Häufig sind sie mit Übernahme- oder Abfindungsangeboten verbunden, wodurch der Kurs nach unten „abgesichert“ ist. Wir verfügen über langjährige Erfahrung und juristische Kenntnisse, um solche Situationen früh zu erkennen, zu bewerten und mit Weitblick zu nutzen.

Das Halten ausreichender Liquidität ist ein weiterer wichtiger Teil unserer Anlagestrategie: Cash sichert den Fonds ab und dient als wertvolles trockenes Pulver, wenn sich entsprechende Opportunitäten bieten.

MP: Vielen Dank, Herr Maschmeyer!


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