5 Fragen an Portfoliomanager Benjamin Bente

Im Rahmen der Interviewreihe zum aktuellen Börsengeschehen stellen wir regelmäßig 5 ausgewählte Fragen an Experten aus dem Bereich Fonds- und Portfoliomanagement. Michael Pannwitz, Leitung des Bereiches Individualkunden der Volksbank BraWo, hat für unser zehntes Interview mit Benjamin Bente, CIO / Geschäftsführer der Vates Invest GmbH, gesprochen.

Benjamin Bente

Wer ist Benjamin Bente?

Benjamin Bente ist Geschäftsführer und Leiter Portfoliomanagement der Vates Invest GmbH, die er 2011 gegründet hat. Bente verfügt über mehr als 25 Jahre Kapitalmarkterfahrung und ist Diplom Kaufmann mit dem Schwerpunkt Portfoliomanagement und Risikotheorie.

Bevor er die Vates Invest GmbH gründete, war er u. a. bei der UBS Deutschland AG im Wealthmanagement und bei der Bank Julius Bär (Europe) AG als Portfoliomanager tätig. Zudem ist Bente seit 2016 Mitglied des Investmentkomitees der FOCAM AG.  


Michael Pannwitz: Was unterscheidet Ihren Ansatz gegenüber anderen Mischfonds?

Benjamin Bente: Während gewöhnliche Mischfonds oder Multiassetfonds sich vor allen Dingen auf strategische Assetallokation konzentrieren, also die clevere Verteilung der Assets in einer gut gemischten Form auf risikoorientiertere und defensive Assetklassen, im wesentlichen also Aktien und Anleihen, fokussieren wir uns hingegen auf die taktische Assetallokation, also auf das Risikomanagement. Im Zentrum steht für uns die Frage: Wie viel Aktienquote möchten wir zum jeweiligen Zeitpunkt haben? Und wenn wir eine geringe Aktienquote haben wollen, dann sind wir nicht in Anleihen oder anderen Assetklassen, sondern in Cash beziehungsweise wir sichern die Aktienbestände ab und erzeugen damit faktisch eine Cashquote. Der zentrale Unterschied lautet also Fokus auf strategische Assetallokation bei den anderen, Fokus auf taktische Assetallokation bzw. Risikomanagement bei uns.

MP: Ist es wirklich so einfach die Wirtschaftswelt in einem 5-stufigen Ampelsystem zu erfassen?

BB: Nein, es ist definitiv nicht einfach, es scheint nur einfach. Denn unsere fünf-stufige Ampel ist am Ende natürlich nur die vereinfachte Darstellung eines sehr komplexen Algorithmus und Regelwerks. Wir haben in der Vates-Ampel mehr als 35 makroökonomische Indikatoren aus den Bereichen Liquidität/Geldpolitik, Konjunktur und Marktsentiment. Die Interaktion dieser Indikatoren erfolgt über eine große Zahl an verschiedenen Entscheidungsbäumen, die der Algorithmus durchläuft und anhand dieser am Ende des Tages für jeden Börsentag eine Bärenmarktwahrscheinlichkeit quantifiziert. Diese teilen wir dann wiederrum in fünf Wahrscheinlichkeitscluster ein, die unseren fünf Ampelfarben entsprechen. Insofern ist die fünf-stufige Ampel nur das sehr vereinfachte Ergebnis für die Außendarstellung eines darunterliegend sehr komplexen Mechanismus.

MP: Ist Markettiming im Aktienbereich nicht nachweislich schädlich für die Rendite? Frei nach dem Motto: "Hin und her macht Taschen leer".

BB: Nun, wenn Markettiming im Aktienbereich schädlich ist, dann ist im Grunde auch jeder Mischfonds schädlich für die Rendite. Denn jedes Prozent, was man nicht in Aktien investiert, was ja Mischfonds in der Regel nie zu 100% tun, ist natürlich auch langfristig renditesenkend, weil Anleihen und sonstige defensive Anlagen langfristig von Aktien outperformt werden. Dennoch wird die Renditeschädlichkeit der strategischen Assetallokation nicht in Frage gestellt, ganz einfach, weil es für die meisten Anleger um das Verhältnis von Rendite und Risiko geht und nicht nur rein um die Rendite. Die zentrale Frage ist also, ob am Ende die Investoren zwischenzeitlich -50% und mehr Drawdown aushalten und insbesondere, wenn diese häufiger passieren. Es geht also nicht allein um Rendite, sondern vielmehr um die Durchhaltbarkeit eines Investments über die Zeit für den Endanleger. Genau das zu ermöglichen ist die Existenzberechtigung jedes Mischfonds, egal ob dieser auf die strategische oder wie wir auf die taktische Assetallokation fokussiert. Wir haben in den letzten drei Bärenmärkten live gezeigt, dass wir die großen Drawdowns an den Aktienmärkten mittels des aktiven Risikomanagements der Vates Ampel auf moderate und meist sogar einstellige Drawdowns reduzieren können und damit die Durchaltbarkeit des Investments für den Endanleger und übrigens auch für seinen Berater, egal was auch immer da draußen für Krisen heraufziehen, ermöglichen.

Michael Pannwitz

MP: Der Fonds ist nur im amerikanischen Aktienmarkt investiert. Warum? Und ist das für einen europäischen Anleger nicht von Nachteil?

BB: Wir investieren nur in den amerikanischen Aktienmarkt, da unser Indikatorsystem, das maßgeblich für das erfolgreiche Umschiffen der Bärenmärkte in den letzten acht Jahren verantwortlich war, auf US-Indikatoren basiert. Wir sind dabei kein Trendfolger, der dem Preistrend des Aktienmarktes rein und raus in die Aktienmärkte folgt, sondern wir folgen den makroökonomischen Umfeldindikatoren, die den Preistrend am Aktienmarkt erst erzeugen.  Dabei sind wir darauf angewiesen, eine möglichst große Vielfalt an validen, guten Makroindikatoren mit langer Datenhistorie zu finden, denn nur dann können wir ein gutes System bauen. Diese Vielfalt gibt es jedoch nur in den USA. Genau deshalb funktioniert auch unser System besonders gut auf die US-Märkte.

Langfristig entsteht freilich dadurch kein Nachteil, sondern vielmehr sogar ein Vorteil für europäische Anleger, denn historisch haben auch US-Aktien selbst wenn man sie nicht selbst managet, wie wir es tun, sich deutlich besser entwickelt als europäische Aktien, was kein Zufall ist, sondern strukturelle Gründe hat.

MP: Welche Vorteile hat Ihr Ansatz in einem in Zukunft möglicherweise stark schwankenden Aktienmarkt?

BB: Der stark schwankende Aktienmarkt ist gewissermaßen genau das, wo es sich bewährt die taktische Vermögensallokation, also ein aktives Risikomanagement zu betreiben, statt einfach nur sein Vermögen auf ein paar Assetklassen zu verteilen und dann durchzuhalten. Die strategische Assetallokation, also das Verteilen auf verschiedene Assetklassen, funktioniert vor allem dann besonders gut, wenn sich idealerweise alle diese Assetklassen oder zumindest die Mehrheit der Assetklassen in einem übergeordneten stabilen Aufwärtstrend befinden. Für die Zukunft sind aber stärker schwankende Märkte als in den letzten 15 Jahren zu erwarten. Denn wir befinden uns in ein Umfeld struktureller Inflation. In einem solchen Umfeld werden die Bärenmärkte häufiger und tiefer und auch die Rezessionen werden häufiger. Ferner fallen Aktien und Anleihen in einem Umfeld struktureller Inflation häufig zur gleichen Zeit, sie korrelieren also positiv miteinander. Auch das ist das genaue Gegenteil von ihrem Verhalten in den letzten 20 Jahren, was makroökonomisch begründbar ist. All das ist ein Umfeld, in dem aktives Risikomanagement und flexible Aktienquotensteuerung essenziell für den Kapitalmarkterfolg ist. Insofern ist unser Fondsansatz geradezu eine Antwort auf möglicherweise stärker schwankende Aktienmärkte und auf strukturelle Inflation.

MP: Vielen Dank, Herr Bente!


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